Två indienböcker anmälda i Tyskland

I det tyska (Saarbrücken) kvartalsmagasinet Die Bückes senaste nummer anmäler Norbert Büttner två böcker på tyska om Indien: Arundhati Roys Wanderung mit den Genossen och Jan Myrdals Roter Stern über Indien. Bägge författarna besökte i början av 2010, oberoende av varandra, de revolutionära naxaliternas område. Om Roy säger Büttner att det i Indien kvappt finns en strid hon inte stödjer. Om Myrdal säger Büttner att det är hans stora förhoppning att naxalterna håller nyckeln till landets befrielse. Och att de två böckerna är mycket läsvärda som behandlar ett i Tyskland så gott som okänt ämne, även om Büttner har invändningar mot redigeringen.

DIE BRÜCKE - FORUM FÜR ANTIRASSISTISCHE POLITIK UND KULTUR
http://www.bruecke-saarbruecken.de/
XXXI. Jahrgang, Heft 160
Mai - Aug 2012/2


Jan Myrdal
Roter Stern über Indien
Aus dem Englischen von Einar Schlereth,
Zambon Verlag,
Frankfurt am Main 2011. 12,- €

Arundhati Roy
Wanderung mit den Genossen
Übersetzt von Einar Schlereth.
Zambon Verlag, Frankfurt am Main
2011. 12,- €

Wanderung mit dem roten Stern

Unter dieser Überschrift möchte ich zwei Bucher über Indien zusammenfassen, beide im Zambon Verlag erschienen, beide ein Phänomen behandelnd, das in Deutschland so gut wie unbekannt ist, aber in Indien eine große Rolle spielt - die marxistisch-leninistische Bewegung, auch Naxaliten genannt; beide Bücher sehr interessant, aber leider schlecht redigiert.

Die Marxisten-Leninisten oder Naxaliten existieren seit den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die kommunistische Weltbewegung sich zwischen Moskau und Peking spaltete. Naxalbari, ein Dorf in Westbengalen, ist ihr Fanal. Von hier ging der Bauernaufstand aus, der seitdem als eruptiver Lavastrom Indien erschüttert. Ihr rücksichtsloser Kampf gegen Kastenunterdrückung, Halbfeudalismus und Wucherkapital drei übel, die das Leben der Armen Indiens verpesten, hat den Naxaliten die Unterstützung der landarmen Bauern und der Adivasi, der Ur-einwohner, eingebracht. Sie bewegen sich unter ihnen wie der Fisch im Wasser. Trotz brutaler Verfolgung sind sie niemals auszulöschen gewesen. Das Gebiet, in dem sie kämpfen, nennt man den roten Korridor. Er reicht von Kerala im Südwesten quer durchs Land bis nach Westbengalen.
 
Seit 2009 geht die indische Regierung massiv gegen Naxaliten und Adivasi vor. Denn in ihren Regionen lagern unermeßliche Reichtümer an Bauxit, Kohle, Mangan und Eisenerz, nach denen Indiens Bourgeoisie und das internationale Finanzkapital gieren. "Green Hunt" heißt die Operation, mit der unter Zuhilfenahme von Armee, Polizei und Todesschwadronen den Adivasi die Liebe zum indischen Staat eingebleut werden soll.

Diese Auseinandersetzung hat die Aufmerksamkeit ganz Indiens gefunden und so haben im Frühjahr 2010 unabhängig voneinander Jan Myrdal und Arundhati Roy die Naxaliten besucht.
 
Jan Myrdal, ein schwedischer Publizist, hat seit sechzig Jahren, seit der Unabhängigkeit Indiens, immer wieder das Land besucht und regelmäßig für längere Zeit in ihm gearbeitet. Er hatte schon früher Kontakt zu den Naxaliten, als sie noch kleiner und zersplitterter waren. Er hat darüber 1980 das Buch "Indien bricht auf" geschrieben.

Seine neue Reportage über den Aufenthalt im Dschungel ist nicht nur ein anschaulicher Bericht über die Entwicklung dieser Guermabewegung. Er zieht in dem Buch auch ein Resümee seines 85jährigen Lebens, das immer mit den Kämpfen der Armen und Unterdrückten verbunden war. Es ist seine große Hoffnung, daß die Naxaliten den Schlüssel zur Befreiung des Landes in ihren Händen halten.
 
Arundhati Roy ist so etwas wie das Gewissen der demokratischen Intelligenz Indiens. Kaum einen Kampf, den sie nicht unterstiitzt hat, wie z. Bsp. die Bewegung gegen den Narmadastaudamm. Sie mußte erleben, daß die bewaffnete staatliche Gewalt den friedlichen Protest von Millionen rücksichtslos zur Seite geschoben hat. Auch das hat ihr Augenmerk auf die in den Medien übel beleumundete Dschungelguerilla gerichtet. Aber noch mehr ist es der militante, im Namen der Globalisierung unternommene Feldzug gegen die Adivasi, der ihren Widerspruch herausgefordert hat. Sie weiß wenig über die Geschichte und den inneren Zusammenhalt der Naxaliten. Ihre Fragen entspringen ganz der Gegenwart:

Wer sind diese Rebellen, auf wen stützen sie sich, und werden sie auch halten, was sie versprechen? Um das zu erfahren, ging sie in den Urwald, zu den Staatsfeinden Nr. 1, und interviewte die Kämpfer und vor allem Kämpferinnen der Volksbefreiungsarmee. Es ist wohl ein wenig auch ihre Ahnung, daß dieser Kampf das Potential besitzt, ganz Indien zu verändern.
 
Es sind zwei lesenswerte Bücher, die Indien von einer ganz anderen Seite nahebringen. Kein Märchenland und auch kein Bild puren Elends, hier zeigt sich ein rebellisches Volk.

Norbert Büttner